Chartanalyse - der komplette Guide

Der komplette Guide zur technischen Analyse

Technische Analyse, oft auch Chartanalyse oder Charttechnik genannt ist eine Analysemethode, die sich auf allen Assetklassen anwenden lässt, die einem Verhältnis von Angebot und Nachfrage unterliegen. Die technische Analyse verwendet dabei nur die Betrachtung der Charts, um Kauf- und Verkaufsentscheidungen zu treffen. Zur reinen Bewegungen des Preises werden weitere Instrumente hinzugezogen wie Handelsvolumina, COT-Reports, Open-Interest oder Indikatoren, die sich in der Regel vom Preis ableiten.

So kann also alles wie Aktien, Indizes Währungen (Forex), Kryptowährungen, Rohstoffe, Futures usw. über die technische Analyse analysiert werden. Dabei ist es auch nicht notwendig, fundamental Analyse mit einzubeziehen, da eine der Grundannahmen der technischen Analyse darin liegt, dass alle relevanten Informationen über einen Basiswert bereits im Chart vorhanden sind. In diesem Guide erklären wir dir alles zu den Grundlagen, die du über die technische Analyse wissen solltest. 

Technische Chartanalyse lernen Titelbild

Was ist technische Analyse, bzw. Chartanalyse?

Inhaltsverzeichnis

Als technische Analyse auch Charttechnik genannt, bezeichnet man verschiedene Methoden, Werkzeuge und Ansätze zur Interpretation von historischen Kursen, um Prognosen über zukünftige Kursentwicklungen eines Basiswerts an den Finanzmärkten (Aktie, Rohstoff, Index, usw.…) aufstellen zu können. Dabei berücksichtigt der technische Analyst keinerlei Daten aus der fundamentalen Analyse.

Der Schwerpunkt des Traders liegt auf der Analyse von Charts sowie weiteren technischen Indikatoren, die Rückschlüsse auf  die künftige Wertentwicklung eines Wertpapiers ermöglichen. Die Erkenntnisse, welche der technische Analyst aus diesen Daten ableitet, dienen ihm als Entscheidungsgrundlage zum Kaufen oder Verkauf von einzelnen Aktien, Rohstoffen, Zertifikaten oder sonstigen Assets.

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Die Grundannahmen der Chartanalyse

Die 4 Grundannahmen, auf welchen die technische Analyse/Markttechnik beruht, sind:

  1. Kurse sind das Ergebnis aus Kauf und Verkauf bzw. aus Angebot und Nachfrage.
  2. Entscheidungen zum Kaufen oder Verkaufen basieren auf Strategien und/oder den Emotionen der Marktteilnehmer.
  3. Chartmuster zum Kauf oder Verkauf wiederholen sich in regelmäßigen Abständen und lösen wiederum neue Entscheidungen auf.
  4. Historische Preisverläufe ermöglichen Rückschlüsse auf zukünftige Preisverläufe.

Was sind die Werkzeuge der technischen Analyse?

Ein technischer Analyst hat ein breites Repertoire an Instrumenten, Herangehensweisen und Indikatoren, die ihm dabei helfen, die vergangenen Kursbewegungen richtig einzuordnen und fundierte Handelsentscheidungen für die zukünftige Kursentwicklung/Preisentwicklung zu treffen.

Die gängigsten Herangehensweisen und Indikatoren erklären wir dir im folgenden Abschnitt.

Die Trendanalyse

Die Trendanalyse ist einer der Hauptbestandteile der technischen Analyse, da die Erkennung der aktuellen Trendrichtung einem direkt sagt, ob in einem Basiswert ein Überschuss an Käufern / Verkäufern vorhanden ist oder ein Gleichgewicht zwischen den beiden Parteien herrscht.

Man unterscheidet die Struktur im Chart in 3 Trendrichtungen: aufwärts, abwärts und seitwärts. Die letzte Möglichkeit wird sehr häufig auch als „trendlose“ Phase bezeichnet, da keine nachhaltigen Bewegungen in eine Richtung entstehen.

Der technische Aufwärtstrend

Beim technischen Aufwärtstrend ist die Nachfrage nach einem Basiswert größer, als das Angebot – der Preis steigt. Eine einzelne Aufwärtsbewegung reicht aber nicht aus, um einen Aufwärtstrend zu erzeugen. Damit ein charttechnischer Aufwärtstrend vorliegt, benötigen wir  kontinuierlich höhere Tiefs und höhere Hochs. Der Aufwärtstrend ist so lange intakt, bis ein durch ein höheres Hoch bestätigtes höheres Tief gebrochen wird. Eine Aufwärtstrendlinie wird übrigens sehr oft mit einem Aufwärtstrend verwechselt. Das ist jedoch falsch, denn ein Trend kann auch ohne aufwärts gerichtete Trendlinie vorhanden sein. Die Trendlinie beschreibt (wenn vorhanden) lediglich die Geschwindigkeit eines Aufwärtstrends.

Der technische Abwärtstrend

Beim technischen Abwärtstrend ist das Angebot für einen Basiswert größer, als die Nachfrage – der Preis fällt. Eine einzelne Abwärtsbewegung reicht aber auch hier nicht aus, um einen Trend zu erzeugen. Damit ein charttechnischer Abwärtstrend vorliegt, muss die Preishistorie kontinuierlich tiefere Hochs und tiefere Tiefs erzeugen. Der Abwärtstrend ist so lange intakt, bis ein durch ein tieferes Tief bestätigtes tieferes Hoch gebrochen wird. Auch hier gilt, dass eine Abwärtstrendlinie nicht mit einem Abwärtstrend gleichzustellen ist. Ein Abwärtstrend kann auch ohne abwärts gerichtete Trendlinie vorhanden sein. 

Trendlos / Range

Trendlos, auch Seitwärtstrend genannt, ist ein Basiswert dann, wenn sich keine klar definierte Richtung durch Strukturpunkte (markante Tiefs / Hochs) ausmachen lässt. Oft [aber nicht immer] befindet sich der Wert dann in einer sogenannten Range. Dabei prallt der Kurs dann auf der Oberseite an einer bestimmten Zone nach unten ab vice versa auf der Unterseite. 

Was ist ein Trend bei der Chartanalyse

wenn du wissen wisst, wie sich mit der Analyse von technischen Trends hohe, überdurchschnittliche Renditen erzielen lassen.

Chartformationen, bzw. Chartmuster

Dreieck, Flagge, Wimpel, Schulter-Kopf-Schulter (SKS) Formation hast du bestimmt schon mal gehört. Dabei handelt es sich um spezifische Kursformationen bzw. Muster im Chart, die aufgrund des Zusammenspiels von Angebot und Nachfrage im Markt entstehen. Jeder Chartformation liegen vergleichbare psychologische Denkmuster zugrunde, aus denen der Trader Kauf- und Verkaufssignale für sich ableiten kann.

Man unterscheidet diese Chartformationen in zwei Kategorien:

Umkehrformationen

Signalisieren dem technischen Analysten, dass sich der Trend abschwächt und eine Trendumkehr möglich ist. Dabei gibt es sowohl bullishe, als auch bärische Umkehrformationen. Als bekannteste bearishe Umkehrformation gilt die sogenannte Schulter-Kopf-Schulter Formation, kurz SKS. In der bullishen Variante bezeichnet man sie als iSKS (inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation). Die bearishe Variante haben wir in der unten zu sehenden Grafik dargestellt.

 Hier ist eine Übersicht zu den wichtigsten Umkehrformationen:

Name der
Formation
alternativer Name
[i.d.R. Englisch]
charttechnische
Wirkung
Zuverlässigkeit
[bei Aktien]
Häufigkeit
[bei Aktien]
normale SKS
head-shoulder
bearish
mittel
mittel
inverse SKS
inverse head-shoulder
bullish
hoch
häufig
Doppeltop
double top
bearish
mittel
selten
Doppelboden
double bottom
bullish
hoch
häufig
absteigendes Dreieck
descending triangle
bearish
mittel
mittel
aufsteigendes Dreieck
ascending triangle
bullish
hoch
häufig
Dreifachtop
tripple top
bearish
mittel
sehr selten
Dreifachboden
tripple bottom
bullish
mittel
selten
inverse Trompete (T)
broadening top
bearish
hoch
extrem selten
inverse Trompete (B)
broadening bottom
bullish
hoch
extrem selten

Du solltest aber verstehen, dass es sich bei diesen Formationen nicht um irgendwelche magischen Zeichnungen handelt, sondern alle auf dem Trendprinzip basieren, welches wir oben bereits erklärt haben. Bevor du also Formationen für dein Trading nutzt, solltest du zunächst das grundlegende Prinzip von charttechnischen Trendphasen vollständig verstanden haben. 

SKS Formation Schulter-Kopf-Formation bei der Charttechnik
Eine klassische SKS, die sich im DAX zwischen 2017 und 2018 ausgebildet hat.

Fortsetzungsformationen

Fortsetzungsformationen tauchen dann im Chart auf, wenn ein Trend pausiert wird. Dabei werden Käufer und Verkäufer eine Zeit lang komprimiert, bevor sich in der Regel der vorangegangene Trend (wie der Name bereits suggeriert) weiter fortsetzt. Fortsetzungsformationen brechen immer mit höherer Wahrscheinlichkeit in die Richtung aus, die der betrachtete Markt auch schon davor hatte. Sollte der (seltene) Fall eintreten, dass eine Fortsetzungsformation doch in die entgegengesetzte Richtung des Trends ausbricht, können sie auch als Umkehrformationen gedeutet werden. Auch hier haben wir eine Übersicht für dich mit den wichtigsten Fortsetzungformationen: 

Name der
Formation
alternativer Name
[i.d.R. Englisch]
charttechnische
Wirkung
Zuverlässigkeit
[bei Aktien]
Häufigkeit
[bei Aktien]
Dreieck
symmetrical triangle
je nach Ausbruch
hoch
sehr häufig
Rechteck
range
je nach Ausbruch
hoch
mittel
Wimpel
pennant
je nach Ausbruch
hoch
mittel
aufsteigender Keil
ascending wedge
i.d.R bearish
hoch
selten
absteigender Keil
descending wedge
i.d.R bullish
hoch
häufig
aufsteigende Flagge
bear flag
i.d.R bearish
hoch
sehr häufig
absteigende Flagge
bull flag
i.d.R bullish
hoch
selten
Fortsetzungformationen bei der Chartanalyse
Häufige Fortsetzungformationen, welche bei bekannten Aktien schon oft aufgetreten sind

Zonenanalyse - Widerstand und Unterstützung

Bei der Zonenanalyse geht es darum, wichtige Unterstützung und Widerstandsbereiche im Chart auszuarbeiten. Diese Zonen entstehen durch ein Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage und sind häufig mit einer erhöhten Handelsaktivität aller Marktteilnehmer verbunden. Wir gehen also bei der Chartanalyse davon aus, dass eine bereits in der Vergangenheit von den Marktteilnehmern respektierte Zone auch in Zukunft wieder respektiert wird. 

Als Widerstand (Widerstandslinie) bezeichnen wir einen Preisbereich, in dem der Basiswert in der Vergangenheit bereits “nach unten abgeprallt ist”, also wieder verkauft wurde. Das Verkaufsinteresse ist hier also höher, als das Kaufinteresse (Angebot > Nachfrage)

Umgekehrt ist eine Unterstützung (Unterstützungslinie), ein Preisbereich, in dem der Basiswert in der Vergangenheit bereits “nach oben abgeprallt” ist, also wieder gekauft wurde. Das Kaufinteresse ist in diesen Bereichen höher, als das Verkaufsinteresse. 

Dabei sind Widerstände und Unterstützungen keine exakten Niveaus, sondern in den meisten Fällen breitere Zonen, welche häufig an markanten Hochpunkten und Tiefpunkten im Chart entstehen. Wird ein Widerstand nachhaltig per Schlusskurs gebrochen, wird er zur Unterstützung und wenn eine Unterstützung gebrochen wird, dann wird sie zum Widerstand. 

Chartanalyse Zonen erkennen anhand von Widerstand und Unterstützung
Wichtige Zonen innerhalb eines Aufwärtstrends

Candlestick Analyse / Kerzensignale

Bei der Candlestick-Analyse werden Candlestick-Charts auch Kerzencharts gennant genutzt, um Informationen über den Eröffnungs-. Schluss-. Höchst- Tiefstkurs anzuzeigen. Durch diese Darstellungsmethode lassen sich eindeutige Aussagen über die Stärke und Schwäche von Kursbewegungen treffen. Im Gegensatz zum Linienchart erhalten wir wesentlich mehr Informationen darüber, wie sich Käufer und Verkäufer innerhalb einer bestimmten Zeitperiode (z.B. 1 Tag / 1 Stunde) verhalten haben. Der Linienchart verknüpft lediglich die Schlusskurse. 

Volumenanalyse

Das Handelsvolumen ist ein wichtiger Indikator, um Rückschlüsse auf die Aktivität von Käufern und Verkäufern am Markt zu ziehen. Mit dem Handelsvolumen wird signalisiert, wie viele Anteile eines Assets in einem bestimmten Zeitraum gehandelt wurden. Mithilfe des Handelsvolumens kann sehr gut bewertet werden, wie nachhaltig eine Kursbewegung ist. Neben der Aktivität der Marktteilnehmer informiert die Volumenanalyse Händler auch über die Marktliquidität. Ein durchschnittlich hohes Handelsvolumen bei einem Wertpapier bedeutet immer auch hohe Liquidität, was zu einer besseren Orderausführung und geringeren Trading- Kosten führt. 

Technische Indikatoren / Oszillatoren

Bei technischen Indikatoren/Oszillatoren handelt es sich um mathematische Berechnungen, die auf Kursdaten angewendet werden und dem Analysten dadurch zusätzliche Informationen über den Markt zu liefern. Bekannte Indikatoren, bzw. Oszillatoren sind: Relative Strength Index (RSI), Moving Averages / Gleitende Durchschnitte oder Bollinger Bänder.

Vor und Nachteile der technischen Analyse

Vorteile

  • Durch die technische Analyse werden eindeutige Kauf- und Verkaufspunkte definiert.
  • Erkenntnisse aus der technischen Analyse können für jede Zeiteinheit genutzt werden 
  • Die technische Analyse ist sowohl für langfristige Investoren, als auch kurzfristige Trader anwendbar
  • Durch ein breites Spektrum an Analysemöglichkeiten kann der Analyst sich seine individuelle Tradingstrategie zusammenstellen.
  • Da viele Marktteilnehmer auf die technische Analyse zurückgreifen, funktioniert sie häufig als eine Art self-fulfilling prophecy 
  • Die technische Analyse funktioniert als alleinstehende Analysemethode – auch ohne fundamentale Daten kann ein technischer Analyse Handels- und Investitionsentscheidungen treffen
  • Nur durch technische Analyse lässt sich Market-Timing betreiben

Nachteile

  • Vorhersagen der technischen Analyse beruhen immer auf der Grundlage historischer Daten. (Der Markt entwickelt sich weiter) – das gleiche trifft aber auch auf andere Analysemethoden, wie z.B. die fundamentale Analyse zu
  • Durch einen Überfluss an verfügbarem Wissen, ist es für einen Anfänger sehr schwer gute Inhalte von schlechten Inhalten zu unterscheiden
  • Es wird sehr leicht eine falsche Erwartungshaltung an die technische Analyse eingenommen (Kursverlauf vorhersagen)

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Kann man mit Chartanalyse erfolgreich an der Börse werden?

Mit der technischen Analyse versuchst du Aussagen über die Zukunft zu treffen. Es ist jedoch unmöglich, die zukünftige Entwicklung von Börsenkursen mit einer 100% Wahrscheinlichkeit vorherzusagen. Die technische Analyse hilft uns aber dabei, sich gegenüber anderen Markteilnehmern einen Vorteil zu verschaffen und die Erfolgswahrscheinlichkeit auf unsere Seite zu holen, indem wir analysieren, ob in Zukunft steigende oder fallende Kurse wahrscheinlicher sind und wir uns beim Trading dementsprechend positionieren. Natürlich reicht das alleinige Verständnis für die TA nicht aus, um profitabel an den Märkten zu agieren. Skills wie das richtige Money-Management, eine konsequente Tradeverwaltung und natürlich das richtige Mindset, um ein paar Dinge zu nennen, sind auch essenziell, um langfristig an der Börse zu überleben!

 

Adrian Rogl

Adrian Rogl

Gründer der Chartsekte

Zuletzt aktualisiert am 17.09.2023

Der Inhalt, verfasst vom Autor, ist nicht als Anlageberatung, Anlageempfehlung oder als Angebot oder Aufforderung für irgendeine Art von Finanztransaktionen zu verstehen. Es sollte auch nicht als Werbung für die “Chartsekte” oder ähnliche Organisationen interpretiert werden. Bitte seien Sie sich bewusst, dass solche Artikel vom Autor oder der “Chartsekte” keine zuverlässigen Vorhersagen für aktuelle oder zukünftige Marktentwicklungen liefern können, da sich die Bedingungen jederzeit ändern können. Vor jeglichen Investitionsentscheidungen wird dringend geraten, einen unabhängigen Finanzberater zu konsultieren, um die damit verbundenen Risiken sachgerecht zu verstehen und einschätzen zu können.