CD Projekt S.A.

GPW: CDR

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WKN/ ISIN534356/ PLOPTTC00011
BrancheVideospielentwicklung, -vertrieb
Einordnung nach Peter LynchFast Grower
Marktkapitalisierung26,95 Mrd. PLN
Dividendenrendite0,00%
FirmensitzWarschau, Polen
Gründungsjahr1988 (Optimus) bzw. 1994 (CDP.pl)
Bekannte Persönlichkeit-
Mitarbeiter1.111

Kurzportrait

Der polnische Videospielentwicker CD Projekt ist vor allem aufgrund der Spiele „The Witcher“ und – dem jüngst veröffentlichten – „Cyberpunk 2077“ bekannt. Bei der Publikation von letzterem tauchten einige Probleme auf, welche eine stärkere Korrektur des Aktienkurses als Folge herbeiführten. Da das Unternehmen jedoch generell in einer starken Wachstumsbranche tätig ist, kann ein antizyklischer Kauf in Erwägung gezogen werden. Ob eine solche Entscheidung sinnvoll ist, wird im Folgenden thematisiert.

Die Analyse bezieht sich auf den Kenntnisstand unserer Recherche vom 23.12.2020.

1. Das Unternehmen

Kurzvorstellung

CD Projekt ist ein polnisches Unternehmen, welches in der Entwicklung und dem Vertrieb von Videospielen tätig ist. Der Sitz befindet sich in Warschau. CD Projekt hat bereits viele Auszeichnungen für ihre Arbeit erhalten, unter anderem wurden sie im Jahr 2015 bei den „Game Awards“ zum Entwickler des Jahres gekürt. Dieser Preis bezog sich auf das Spiel „The Witcher 3: Wild Hunt“, welches den dritten Teil der Erfolgsserie darstellt. Zum 31.03.2020 waren 1.111 Mitarbeiter bei der polnischen Firma beschäftigt.

Die Aktie von CD Projekt ist an der Warsaw Stock Exchange gelistet und ebenfalls Teil des WIG 20 und WIG 30, welche die wichtigsten Aktienindizes des Landes sind.

Unternehmenshistorie

Da das heutige CD Projekt aus einer Übernahme entstand, ist auch die Historie zu Beginn geteilt. In den 1990er-Jahren begannen die Freunde Marcin Iwiński und Michał Kiciński mit dem Handel von Computerspielen auf einem Basar in Warschau. Die beiden gingen zu dieser Zeit zusammen zur High School.

Im Jahr 1994 gründeten sie „CDP.pl“ und importierten vor allem CD-ROMs mit neuer Software aus den USA. Diese wurden dann wieder auf dem Basar verkauft. Nach einiger Zeit folgten die ersten offiziellen Vertriebsvereinbarungen, zunächst mit American Laser Games und später folgten unter anderem Acclaim und Blizzard.

1996 wurde CD Projekt zum ersten polnischen Vertreiber, der Spiele mit polnischen Verpackungen und Beschreibungen veröffentlichte. Im Jahr 1999 lokalisierten sie das erste Videospiel vollständig: „Baldur’s Gate“. (Die Lokalisierung eines Spiels ist die Vorbereitung auf die Veröffentlichung (in dem Fall für den Polen).) Der Verkauf wurde ein großer Erfolg. 2002 wurde „CD Projekt Red Studio Sp. z o.o.“ gegründet, welches ab 2003 an „The Witcher“ arbeitete. Dieses eigene Videospiel wurde – in der ersten Version – 2007 veröffentlicht. 2008 kam es zum Launch der Plattform „GOG.com“ zum Vertrieb von Videospielen.

2008 veränderte das Unternehmen zugleich die Struktur. CDP Investment wurde gegründet und diente als Holding für die gesamte CD Projekt Group (bestehend aus CD Projekt, CD Projekt Red und GOG Ltd.).

2009 kaufte Optimus S.A. alle Anteile an CDP Investment und dessen Geschäft wurde zum neuen Hauptstandbein für Optimus. Das Unternehmen wurde 1988 als IT-Dienstleister gegründet, wobei 1996 die Onlineplattform „Optimus.net“ zum Geschäft hinzukam. Heute ist diese bekannt als „onet.pl“, welches die größte polnische Internet-Plattform ist (gehört aber nicht mehr zum Unternehmen). 1994 fand bereits die Listung von Optimus an der Warsaw Stock Exchange statt.

2010 wurde der Name von „Optimus S.A.“ in „CD Projekt Red S.A.“ und einige Jahre später wieder in „CD Projekt S.A.“ geändert.

Im Laufe der Jahre sind immer wieder neue Versionen und Ergänzungen zu „The Witcher“ veröffentlicht worden. 2015 erhielt das Unternehmen für „The Witcher 3: Wild Hunt“ die Auszeichnung „Bester Entwickler“ (bei den „The Game Awards 2015“). 2018 war das Jahr der Gründung von Spokko. Dieses Tochterunternehmen konzentriert sich auf Spiele für mobile Endgeräte.

Das neueste Ereignis ist die Veröffentlichung von „Cyberpunk 2077“ am 10.12.2020. Das Spiel befand sich seit 2012 in der Entwicklung und Planung und viele Gamer erwarteten es gespannt. Die Kritiken waren zunächst positiv, allerdings traten viele technische Probleme und Mängel auf. Wir thematisieren dies im weiteren Verlauf genauer im Abschnitt “Chancen und Risiken”.

Mission, Werte & Ziele

CD Projekt gliedert die Unternehmensphilosophie in vier Kategorien, welche jeweils genauer erläutert werden. Auffällig ist die Betonung der Passion und der Kreativität, die Verfolgung von – scheinbar – unerreichbaren Zielen und die Spezialisierung auf RPG-Spiele, um diese dafür so perfekt wie möglich zu gestalten. Zugleich steht der Kunde im Mittelpunkt und soll im Austausch mit dem Unternehmen stehen, damit dieses ihr Angebot bestmöglich gestalten kann.

Geschäftsmodell

CD Projekt ist ein Videospielentwickler und -vertreiber. Der Umsatz setzt sich aus den Verkäufen von eigenen Spielen, Dienstleistungen, diversem Zubehör zu Spielen und dem Vertrieb von Spielen anderer Hersteller über GOG.com zusammen.

Beim Verkauf von Spielen gibt es verschiedene Bereiche. Bei Sony, Microsoft und weiteren Anbietern findet der Vertrieb direkt auf dem dazugehörigen Endgerät statt. Zudem gibt es auch den Verkauf von Spielen direkt bei CD Projekt, z.B. in der Form von Fan- oder Sammlerboxen. Fast all diese Umsätze werden später dem „CD Projekt Red“ Sektor zugeordnet.

Auf der Plattform „GOG.com“ werden auch Spiele von anderen Entwicklern verkauft.

Der Konzern diversifiziert somit die eigenen Umsätze und ist nicht ausschließlich von den eigenen Produkten abhängig. Neuerdings konzentriert sich CD Projekt auf das Angebot von Spielen für mobile Endgeräte (Tablets, Smartphones, …). „GWENT“ ist das erste Spiel aus der Serie „The Witcher“, welches nun auch für diese Zielgruppe verfügbar ist. Dabei handelt es sich um ein free-to-play-Spiel (kostenloses Spiel), wobei der Entwickler z.B. durch Werbung Geld verdient.

Gründer und Geschäftsführung

Die Gründer von CD Projekt sind die High School-Freunde Marcin Iwiński und Michał Kiciński. Zugleich sind sie auch heute noch die größten Einzelaktionäre (siehe 1.6). Ersterer nimmt zusammen mit Adam Kiciński, dem Bruder von Michał, die Rolle des CEO ein. Die Rolle des CFO hat Piotr Nielubowicz.

Marcin Iwiński

Marcin Iwiński wurde 1974 geboren und studierte in Warschau den Studiengang „Management und Marketing“. Im Jahr 2008 wurde er zusammen mit Michał von Ernst & Young (EY) zum Unternehmer des Jahres gekürt. Bei CD Projekt ist er vor allem für die internationalen Kontakte und das Unternehmenswachstum zuständig.

Michał Kiciński

Michał Kiciński wurde ebenfalls 1974 geboren. Seit 2011 ist er allerdings nicht mehr aktiv im Unternehmen tätig. Wie bereits erwähnt, wurde er 2008 zum Unternehmer des Jahres ausgezeichnet.

Adam Kiciński

Michałs älterer Bruder (geboren 1969) Adam Kiciński war seit der Gründung von CD Projekt im Jahr 1994 bei dem Unternehmen beschäftigt bzw. in irgendeiner Art und Weise aktiv. Nachdem er die Leitung der Markenkette innehielt, das Unternehmen kaufmännisch leitete und im Anschluss zum Co-Manager aufstieg, war er im Anschluss für die Leitung von dem – damals neu gegründeten – CD Projekt Red zuständig. Nun ist gemeinsam mit Marcin CEO.

Sein Studium absolvierte Adam im Fachbereich Physik. Zudem erhielt er den Jan Wejchert Preis für „Vision und Innovation“.

Piotr Nielubowicz

Piotr Nielubowicz war der 10. Angestellte von CD Projekt (1999) und ist somit seit langer Zeit mit dem Unternehmen und den Abläufen vertraut. Neben dem Studium für „Management und Marketing“ in Warschau, absolvierte er ein weiteres Studium im Bereich der Finanzen. Als CFO und drittgrößter Einzelaktionär ist er für die Finanzen und Strategieentwicklung zuständig.

Aktionärsstruktur

Neben dem Freefloat sind die beiden Gründer, sowie der CFO und der zweite CEO die größten Einzelaktionäre. Zusammen halten die vier Personen mehr als ein Drittel der Aktien von CD Projekt.

Positiv anzumerken ist an der Stelle, dass Michał Kiciński seine Anteile weiterhin besitzt, obwohl er das Unternehmen verlassen hat.

2. Fundamentale Ansicht

Kennzahlen

Umsatz

Betrachtet man den Umsatz von 2015 bis 2019, so erkennt man keine eindeutige Struktur. Nachdem 2015 von Stärke geprägt war, folgten drei Jahre mit einem Umsatzrückgang. Zwar stieg der Umsatz 2019 wieder an, lag jedoch unter dem Wert von 2015, weshalb das damalige Ergebnis wahrscheinlich als Ausnahme zu werten ist. Die Prognosen zeigen ab 2020 ein extremes Wachstum an (gemäß Marketscreener +415 %).

Da für das Jahr 2020 schon drei Quartalsberichte vorliegen, kann gegebenenfalls bereits eine Vermutung erahnt werden, ob diese Prognose auch erreicht wird.

In den ersten drei Quartalen (vom 01.01.2020 bis 30.09.2020) konnte CD Projekt einen Gesamtumsatz von 468.528 Tsd. PLN (Vorjahreszeitraum: 307.958 Tsd. PLN) erzielen. Dies entspricht einer Steigerung um 52 %.

Trotzdem ist dies noch über zwei Milliarden PLN (2.000.000 Tsd. PLN) von der Umsatzprognose entfernt. Diese enormen Umsätze sollen größtenteils durch Cyberpunk erzielt werden, womit die Abhängigkeit von diesem Projekt deutlich wird. Die Prognosen der nächsten Jahre sind daher, aufgrund der jüngsten Ereignisse, mit Vorsicht zu genießen.

Im Abschlussbericht für das Jahr 2019 werden die Umsätze einmal in die Bereiche „CD Projekt Red“ und „GOG.com“ aufgeteilt.

Der Umsatz von CD Projekt Red beläuft sich auf 369.332 Tsd. PLN, was einer Steigerung um 62,1 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Davon entfallen circa 79,2 % PLN auf die Verkäufe von selbsterstellten Spielen. Dieser Bereich konnte im Vorjahresvergleich um 32,5 % zulegen, was hauptsächlich vom Erfolg des Spiels „The Witcher 3“, sowie diversen Abwandlungen, ableitbar ist.

Mit rund 11,4 % stellen verschiedene Dienstleistungen die zweitwichtigste Säule des Umsatzes von CD Projekt Red dar. Diese sind im Wesentlichen auf die Werbemaßnahmen zu dem bekannten Spiel „Cyberpunk 2077“ zurückzuführen.

Der drittwichtigste Umsatzzweig sind die Umsatzerlöse aus dem Verkauf von Waren und Materialien. Diese betrugen in 2019 insgesamt 9,5 % vom Gesamtumsatz der Sparte. Insgesamt ist dieser Bereich um 1159 % im Vergleich zu 2018 gewachsen. Dieser sprunghafte Anstieg ist laut der Firma ebenfalls auf den Hype von „Cyberpunk 2077“ zurückzuführen. Ohne hier eine materielle Wertung vornehmen zu wollen, ist der Ausmaß des Hypes um „Cyberpunk 2077“ bereits im Voraus zu erkennen.

Das zweite Geschäftsfeld (GOG.com) konnte im Jahr 2020 einen Gesamtumsatz von 162.256 Tsd. PLN erzielen. Diese Entwicklung stellt ein Umsatzplus von 12,4 % im Vergleich zum Jahr 2018 dar.

An erster Stelle befinden sich die Umsatzerlöse aus dem Verkauf von Waren und Materialien. Diese machten mit 154.373 PLN über 95 % des Umsatzes für GOG.com aus. Prozentual wuchsen diese Erlöse in 2019 um 17,3 %, was vor allem durch Sonderaktionen wie den Summer Sale, Black Friday oder Cyber Monday positiv beeinflusst wurde.

Die Verkäufe von eigenen Produkten belaufen sich bei GOG.com nur auf 7.633 Tsd. PLN (4,7 % des Umsatzes aus dem Geschäftsfeld) und sind daher eher nicht weiter nennenswert.

EBIT und Konzerngewinn

Die EBIT- und Konzerngewinnentwicklung weist eine parallele Entwicklung zum Umsatz auf. 2015 war das mit Abstand stärkste Jahr im Fünfjahresrückblick. Danach entwickelte sich das Ergebnis drei Jahre lang rückläufig und konnte erst im Jahr 2019 wieder gesteigert werden.

Betrachtet man erneut die einzelnen Geschäftsfelder, stellt man fest, dass das EBIT für CD Projekt Red 176.743 Tsd. PLN beträgt. Daraus resultiert eine sehr profitable EBIT-Marge von 47,8 %, welche ähnlich zum Vorjahreswert von 49,8 % ist.

Das operative Ergebnis (EBIT) liegt für GOG.com bei 3.577 Tsd. PLN. Die EBIT Marge beträgt als lediglich 2,2 %. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die Materialkosten (aufgrund hoher Abschreibungen aus vorherigen Anschaffungen von Wirtschaftsgütern) extrem hoch ausfallen und insgesamt mit 107.914 Tsd. PLN zu Buche schlagen. Im Vergleich zu 2018 besteht trotzdem eine positive Entwicklung, da die Marge in diesem Jahr noch im negativen Bereich taxierte. Bei GOG.com ist es zudem nachvollziehbar, dass die Margen nicht extrem hoch ausfallen können, da die verkauften Produkte zunächst eingekauft werden müssen. Der dann veranschlagte Aufpreis darf nicht zu hoch sein, um konkurrenzfähig zu sein.

Dividendenpolitik

Eine Dividendenausschüttung findet nur sehr unregelmäßig statt. In den Jahren 2017 und 2019 erhielten die Aktionäre eine Dividende, welche allerdings keine hohe Rendite aufweisen konnte. Allgemein ist dies aber nicht untypisch für Unternehmen, welche in Wachstumsbranchen tätig sind, da diese die Gewinne vorranging reinvestieren. Hinzu kommt die fehlende Konstanz des Geschäftsergebnisses, welches eine konstante Dividende erschwert.

Einordnung nach Peter Lynch

Die Einordnung nach Peter Lynch ist aufgrund der fehlenden Konstanz der Betriebsergebnisse sehr schwierig. Die Tendenz der Prognosen deutet auf den Titel „Fast Grower“ hin, wobei berücksichtigt werden muss, dass dies lediglich Schätzungen und noch keine realen Ergebnisse sind. Eine fundierte Einordnung ist deshalb nicht möglich.

3. Chancen und Risiken

Branchenübersicht

Schwarz:        CD Projekt S.A.
Orange:          Take-Two Interactive Software Inc.
Gelb:               Ubisoft Entertainment S.A.
Türkis:            Activision Blizzard Inc.
Lila:                Electronic Arts Inc.

Chancen

Wachstumsmarkt der Videospiele für mobile Endgeräte erobern

Mit GWENT ist der Konzern in die Welt der free-to-play-Spiele für mobile Endgeräte eingestiegen. Laut einer Studie von Newzoo (2019) macht der Markt für Spiele dieser Zielgruppe (z.B. Handys oder Tablets) mit 46 % den größten Anteil im Gaming-Sektor aus. Bis 2022 schätzt die Beratungs- und Prüfungsgesellschaft pwc das Wachstum dieses Segments auf 11,2 % pro Jahr. Sollte es CD-Projekt gelingen, mit Spielen wie GWENT oder in Zukunft gegebenenfalls auch Cyberpunk, nachhaltig in diesen Markt einzudringen, liegen hier enorme Wachstumschancen für den ganzen Konzern vor.

Erhaltung der Beliebtheit und Vorstoß in neue Kundenfelder

Schafft es CD Projekt das Vertrauen der Kunden aufrechtzuerhalten und gleichzeitig den guten Ruf der Firma zu wahren, stehen zukünftigen Projekten gute Chancen für ähnliche Hypes wie bei Cyberpunk bevor. Die daraus resultierende Mundpropaganda in Gamer-Chats oder Gamer-Gruppen bieten enorme Chancen für CD Projekt.

Wachstum von GOG.com als Chance für bessere Margen

Als Chance ist hier zunächst die positive Entwicklung von GOG.com hervorzuheben. Durch das Wachstum und die Beliebtheit dieser Seite diversifiziert sich CD Projekt mehr in den erzielten Umsätzen. Diese positive Entwicklung lässt sich ebenfalls aus den Q3 Zahlen des Konzerns für 2020 ableiten. Hier konnte GOG.com in den ersten drei Quartalen ein positives operatives Ergebnis in Höhe von 7.772 Tsd. PLN erzielen. Im Vorjahreszeitraum betrug das Ergebnis noch -838 Tsd. PLN.

Die größte Chance mit GOG.com besteht im wachsenden Anteil des Verkaufs von selbstentwickelten Produkten. Dadurch würde sich CD Projekt „unnötige“ Kosten bei den jeweiligen Betreibern (wie Sony) sparen und so die Profitabilität ihres Geschäfts deutlich erhöhen. 

Risiken

Vertrauensbruch der Kunden

CD Projekt ist eine Firma, welche von dem Ruf ihrer Spiele lebt. Sind die Spiele beliebt, geht es dem Konzern dementsprechend gut. Kommt es jedoch zu gravierenden Ärgernissen auf Seiten der Konsumenten, kann dies zu einem erheblichen Vertrauensverlust führen. Sollte dieser von Dauer sein, wird sich dies enorm auf die gegenwärtigen und vor allem zukünftigen Umsätze auswirken.

Ein solcher Vertrauensverlust kann durch mehrere Faktoren verursacht werden, wie z.B.: Dauerhafte Serverprobleme, schlechtes Management, schlechter Kundenservice oder Fehler in veröffentlichen Spielen. Letzteres wird am aktuellen Beispiel von Cyberpunk deutlich, was im Anschluss genauer thematisiert wird. Bei den anderen Punkten hat CD Projekt präventive Maßnahmen getroffen. Gegen Serverprobleme auftreten wurden Notstromaggregate oder Backup Server installiert. Den Kundenservice möchte CD Projekt durch einen besonders guten Draht zum Konsumenten ebenfalls erstklassig halten. Hier wird in diversen Gamer-Gruppen versucht die Interessen der Kunden bestmöglich umzusetzen.

Das Problem bei Cyberpunk 2077:

Vor wenigen Wochen wurde Cyberpunk 2077 veröffentlicht. Auf dem Computer war das Spiel bis zum heutigen Tag ein recht erfolgreiches Projekt und ließ sich für die Nutzer ohne größere Probleme spielen. Bei manchen Konsolen gab es jedoch enorme Probleme, welche das Spiel auf der alten X-Box One und der PS4 teilweise „unspielbar“ machten. Das Unternehmen hat diesbezüglich bereits eigene Fehler eingeräumt. Laut dem Management habe man sich bei der Entwicklung zu sehr auf die neuen Konsolen fokussiert. CD Projekt reagierte umgehend auf die Beschwerden und erklärte den Spielern, dass jeder Konsolenspieler den Kauf rückabwickeln könne, wenn dies gewünscht ist. Problematisch war jedoch, dass z.B. Sony als Betreiber der Playstation über dieses Vorhaben nicht informiert war. Daraufhin entfernte Sony das Spiel vorübergehend aus dem Playstation-Store.

Cyberpunk stellt das größte Projekt von CD Projekt dar. Die Entwicklung begann bereits im Jahr 2012 und die Umsatz- und Gewinnprognosen der nächsten Jahre hängen vor allem vom Erfolg dieses Spiels ab. Man kann daher aktuell nicht davon ausgehen, dass die prognostizierten Zahlen weiterhin relevant sind, solange keine eindeutige Lösung für Cyberpunk vorliegt.

Laut einer Mitteilung des Unternehmens vom 22.12.2020 wurde das Spiel derzeit 13 Millionen Mal verkauft, wobei die Anzahl der bereits zurückgegebenen Käufe bereits berücksichtigt wurden. Eine Wertung über die Aussagekraft wollen wir hier ausdrücklich nicht tätigen, da sich der reale Schaden wohl erst im ersten bzw. zweiten Quartal 2021 (nach der Behebung der Probleme) zeigen wird.

Eventuell ergibt sich für CD Projekt zusätzlich das Risiko einer Anklage aufgrund der Fehler bei Cyberpunk. Mikołaj Orzechowski, ein Anwalt und Investor von CD Projekt, prüft derzeit eine Sammelklage gegen den Konzern zu starten. Sollte diese Klage tatsächlich zustande kommen, könnte das zukünftige finanzielle Ergebnis unter Druck geraten.

Kreativität geht verloren

CD Projekt ist als Videospielentwickler immer gezwungen innovativ zu bleiben und neue Ideen auf den Markt zu bringen. Mit den „The Witcher“-Spielen hat es der Konzern geschafft eine möglichst große Masse zu begeistern. Auch Cyberpunk scheint sich trotz der genannten Probleme großer Bekanntheit zu erfreuen. Zwei bekannte Titel stellen jedoch keine große Diversifikation des Umsatzes dar. Daher ist es für CD Projekt stark belastend, wenn zukünftig keine neuen beliebten Spiele entwickelt werden sollten, da sich dies negativ auf das Konzernwachstum und die Gewinnmarge auswirken würde.

Währungsrisiko

Da CD Projekt in Polen ansässig ist, ist ihre Hauptwährung der polnische Zloty. Diese Währung gilt weltweit als eine der kleineren Währungen. Zeigt der Zloty eine starke Entwicklung auf, so hemmt dieser die finanzielle Entwicklung des Konzerns. Das liegt daran, dass dann die Produkte für ausländische Firmen und Privatkunden, wie z.B. aus den USA oder dem Euro-Raum, teurer werden und diese Alternativen bevorzugen könnten. Dies ist nur ein Fakt, welchen man im Hinterkopf behalten sollte. Wir erachten es jedoch für wichtig sich dieser Tatsache bewusst zu sein.

4. Charttechnische Trendeinordnung

Monatlich

Im Monats-Chart lässt sich ein langfristiger Aufwärtstrend erkennen, der sich aktuell in einer Abwärtskorrektur befindet. Dies ist grundsätzlich nicht negativ zu werten, solange das letzte Trendtief bei 124,3 PLN nicht unterboten wird. Die letzte Trendphase umfasst eine Bewegung von über 270 %. Die Korrektur schaffte es im Tief (seit dem Allzeithoch) auf knapp -50 % und ist damit die stärkste Abwärtsbewegung seit dem Jahr 2012. Korrekturen über 40% sind jedoch schon häufiger aufgetreten und endeten in einer Wiederaufnahme des übergeordneten Aufwärtstrends.

Wöchentlich

Im Wochen-Chart hat sich der Abverkauf bereits angekündigt, als (mit Unterschreiten des letzten Trendtiefs = rote Linie) der Aufwärtstrend pausiert wurde. Die anschließende Aufwärtsbewegung schaffte es zwar knapp auf einen neuen Rekordstand, welcher aber sofort abverkauft wurde.

Nun ist der Abwärtstrend deutlich sichtbar, welcher als Korrektur des übergeordneten Aufwärtstrends einzuordnen ist. Diese Korrektur hat aber eine starke Dynamik und wurde von einem extremen Volumenanstieg begleitet, was als Gefahr für den langfristigen Aufwärtstrend eingeordnet werden muss. Gemäß der Dow-Theorie sollte der Umsatz in Trendrichtung zunehmen und entgegen dieser abfallen. In diesem Fall trifft dies nicht zu.

Täglich

Im kurzfristigeren Blick wird die letzte Abwärts-Trendphase gerade in einer Aufwärtsbewegung korrigiert. Das markierte Abwärts-Gap (und die darauffolgende Reaktion an den vergangenen Handelstagen) zeigt, dass weiterhin ein bärisches Szenario aktiv ist. Die tiefsten beiden Kerzen signalisieren durch lange Lunten jedoch auch entstehende Käuferkraft.

Aussicht

CD Projekt hat inzwischen eine Cluster-Zone erreicht. Im arithmetischen Chart ist eine steigende Trendlinie auf Monats-Sicht zu erkennen, welche mit wichtigen Fibonacci-Levels zusammenfällt. Zudem ist der Bereich mit Volumen hinterlegt.

Sollte der Bereich nachhaltig unterboten werden, so ist das nächste Ziel auf Höhe des Corona-Tiefs und dem alten Allzeithoch (auf Schlusskursbasis) aus 2018.

5. Fazit

Ein Investment in CD Projekt geht zum aktuellen Zeitpunkt vor allem mit einer positiven Erwartungshaltung bezüglich der Lösung der vorliegenden Probleme von Cyberpunk einher. Die Umsatz- und Gewinnprognosen sind zu einem großen Teil von dem Erfolg des neuen Spiels abhängig, was bei einer Kaufentscheidung berücksichtigt werden muss.

Auch die spannende Entwicklung, sowie das noch vorhandene Potenzial von GOG.com könnte in Zukunft als solides Geschäftsfeld fungieren.

Aus technischer Sicht könnte sich eine gute Gelegenheit eines antizyklischen Einstiegs bieten, da der langfristige Trend weiterhin aktiv ist. Allerdings sollte das hohe Volumen während des Abverkaufs nicht unterschätzt werden, welches keine rein bullische Interpretation zulässt. Je schneller die im Tages-Chart gezeigte Gap nun geschlossen wird, desto eher spricht dies für eine folgende Erholung oder sogar langfristige Trendfortsetzung.

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Mehr Infos unter: https://chartsekte.de/haftungsausschluss/